„Confrontations. Gegenüberstellungen aus der Sammlung“ bringt Werkpaare aus den Beständen des Museums Brandhorst zusammen, die auf den ersten Blick keine unmittelbare kunsthistorische oder formale Beziehung zueinander haben. Die Ausstellung zeigt, wie Kontraste, Widersprüche und unerwartete Überschneidungen ästhetisch wie gesellschaftlich produktiv wirken können. Statt fester Lesarten eröffnet sie Prozesse des Wahrnehmens, Fühlens und Reflektierens und lädt dazu ein, eigene Verbindungen zu entdecken und gewohnte Sichtweisen zu hinterfragen.

Ein Weihnachtsbaum aus Stahl (Philippe Parreno) trifft auf einen einzelnen roten Kinderschuh (Robert Gober), eine Fotoserie aus Venedig (Tarrah Krajnak) auf einen bunt bemalten Stab (André Cadere). Eine riesige Schwarze Hulk-Actionfigur (Arthur Jafa) steht neben einem kleinen Siegertreppchen (Rosemarie Trockel). Gerade in diesen Begegnungen entsteht Spannung – mal berührend, mal komisch, mal mitreißend.

Begegnungen
Jedes Werk entfaltet seine Bedeutung nicht allein durch die Interaktion mit dem gegenübergestellten Objekt, sondern besonders durch die individuellen Perspektiven der Betrachtenden. Die Wahrnehmung von Kunst ist nicht statisch, sie reagiert auf Kontexte und Umgebungen. So steckt in jeder der „Confrontations“ das Potenzial einer neuen Begegnung, die auch Widersprüche zulassen kann. In diesem Sinne versteht sich Konfrontation nicht nur als Reibung, sondern auch als Möglichkeit der Öffnung und Veränderung. „Confrontations“ setzt damit auf die transformative Kraft der Differenz – nicht im Sinne der Auflösung von Gegensätzen, sondern als Einladung, Spannungen produktiv zu machen und über bestehende Seh- und Denkgewohnheiten hinauszugehen.

Perspektivwechsel
Im Mittelpunkt stehen die einzelnen Werke der Künstler:innen, die jeweils ihre eigene Geschichte, Praxis und Entstehungsbedingungen mitbringen. Erst im Dialog entstehen neue Lesarten, die uns eröffnen, was Kunst sich und uns abseits kunsthistorischer Narrative zu erzählen weiß. Welche Geschichten treten hervor und welche zurück? Welche Perspektiven ändern sich? Und was verraten die Konfrontationen über unsere Gegenwart – geprägt von gesellschaftlichen Spannungen, politischer Polarisierung und kulturellen Umbrüchen?

 „Affektive Nähe entsteht, wenn Dinge zusammenkommen. Manche Dinge wollen einfach nebeneinander sein.“ Arthur Jafa im Gespräch mit Hans Ulrich Obrist, 2020

Ein konzeptueller Bezugspunkt geht von der Praxis des US-amerikanischen Künstlers Arthur Jafa aus, dessen Werk in der Sammlung Brandhorst umfangreich vertreten ist. In zahlreichen seiner Arbeiten ist es die so intelligente wie eindringliche Montage von gegensätzlich aufgeladenem Bildmaterial, das die Betrachter:innen fesselt. Er selbst verwendet für diese Art der Bildpaarung den Begriff der „affektiven Nähe“, der von dem britischen Künstler John Akomfrah geprägt wurde. Ein Raum der Ausstellung ist solchen werkimmanenten Gegenüberstellungen in den Arbeiten von Jafa, aber auch anderen Künstler:innen der Sammlung gewidmet. Darüber hinaus haben wir Arthur Jafa eingeladen, eigens für die Ausstellung eine „Confrontation“ aus unseren Beständen beizutragen, für die er Andy Warhols „Diamond Dust Shadow“ (1979) und Richard Princes „Live Free or Die 3“ (1987) ausgewählt hat.

Die Ausstellung bringt mit 55 Werken von 39 Künstler:innen eine große Anzahl an Positionen, Stilrichtungen, Medien und Formaten zusammen. Darunter finden sich 8 Neuerwerbungen – unter anderem Louis Fratino, „Garden at Dusk“ (2024), und Philippe Parreno, „Silent Transformation (Anathema)“ (2022) – sowie 13 noch nie gezeigte Werke aus der Sammlung Brandhorst, so etwa Richard Hamilton, „Kent State“ (1970), und Rosemarie Trockel, „Ohne Titel“ (1984). Jedes Werk ist begleitet von einem Text, der Hintergründe zu Praxis und Kontext liefert. Nicht das Museum konstruiert eine abschließende Lesart, sondern die Besucher:innen selbst treten in Dialog mit den Arbeiten, setzen Bezüge, lassen sich auf Reibungen und Überraschungen ein.

Mit Werken von Monika Baer, Nairy Baghramian, Georg Baselitz, Joseph Beuys, Alexandra Bircken, James Lee Byars, André Cadere, Nicole Eisenman, Jana Euler, Louis Fratino, Lee Friedlander, Robert Gober, Richard Hamilton, Keith Haring, Rachel Harrison, Damien Hirst, Arthur Jafa, Mike Kelley, Tarrah Krajnak, Louise Lawler, Zoe Leonard, Tala Madani, Mario Merz, Tatsuo Miyajima, Philippe Parreno, Pope.L, Richard Prince, Raymond Saunders, Jim Shaw, Amy Sillman, Wolfgang Tillmans, Rosemarie Trockel, Cy Twombly, Kara Walker, Andy Warhol, Shin Yanagisawa


Öffnungszeiten:
Dienstag - Mittwoch: 10:00 - 18:00 Uhr
Donnerstag: 10:00 - 20:00 Uhr
Freitag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: museum-brandhorst.de

Ausstellungsansicht „Confrontations“
23.10.2025 - 27.09.2026

Confrontations. Gegenüberstellungen aus der Sammlung

Museum Brandhorst

Theresienstraße 35a
80333 München