Schwarz und Weiß – dieses Gegensatzpaar ist bis heute ein verbindendes Element für eine Fülle an Grafiken. Die Reduktion auf die beiden (Nicht-)Farben ist historisch eng mit den Herstellungsformen der grafischen Kunst verbunden: Schwarze Druckerfarbe auf weißem Papier, dunkler Graphitstift auf hellem Skizzenblock. Bis heute wird dieser Kontrast aber auch gezielt von unterschiedlichsten Künstler:innen als gestalterisches Mittel für kraftvolle, emotionale Kompositionen oder minimalistische Konzepte eingesetzt. Die Ausstellung Schwarz & Weiß – Kontraste der Sammlung bietet weitreichende Einblicke in die grafischen Bestände des Gustav-Lübcke-Museums, die aufgrund der Lichtempfindlichkeit der Werke in den vergangenen Jahren nur selten ausgestellt wurden.
Mit über 70 Arbeiten ist die Ausstellung ein Streifzug durch die über 10.000 Werke umfassende grafische Sammlung des Gustav-Lübcke-Museums. Der assoziativen Zusammenstellung der Werke gelingt es in besonderer Weise die facettenreiche Sammlung zu präsentieren und dennoch verbindende inhaltliche Aspekte und Fragestellungen zu offenbaren. So gliedert sich die Ausstellung in die vier großen Themen: Mensch, Landschaft, Sozialkritik und Religion. Dabei spannt die Schau einen zeitlichen Bogen von Buchillustrationen aus dem späten 15. Jahrhundert über expressionistische Holzschnitte bis hin zu Zeichnungen der Informellen Kunst.
Die Art und Weise wie die Künstler:innen den Gegensatz von Schwarz und Weiß einsetzen ist dabei äußerst vielseitig. Karl Schmidt-Rottluff nutzt in seinem Holzschnitt Bildnis Wilhelm Niemeyer (1922) den Kontrast und die markanten Linien, um ein expressives Porträt zu schaffen. Die klaren Flächen und kantigen Konturen verleihen dem Gesicht eine skulpturale Strenge. Der für seine Radierungen bekannte Künstler Otto Coester verleiht dem Gegensatz von Schwarz und Weiß wiederum eine symbolische Tiefe. In Der Tod uns das Mädchen (1926/1927) wird das unschuldige Mädchen in weiß dargestellt, während der Tod in dunklen Farbtönen gehalten ist. Auch Käthe Kollwitz setzt den Kontrast bewusst ein, um ihre sozialkritische Aussage zu verstärken. Auf dem Blatt Not (1893-1897) liegt ein junges Kind hell und strahlend in einem sonst dunkel und erdrückend wirkenden Raum. Hingegen wird bei Karl Otto Götz – einem der wichtigsten Vertreter des Deutschen Informel – der Schwarz-WeißKontrast zum zentralen Gestaltungsmittel. Die klare Trennung von Hell und Dunkel steigert die Wirkung der abstrakten Formen und erzeugt Dynamik im Bildraum.
Punktuell treten die grafischen Blätter in einen Dialog mit Werken aus den Sammlungsbeständen der Malerei und Angewandten Kunst. Sie eröffnen damit den Blick auf die facettenreichen Sammlungsbestände des Gustav-Lübcke-Museums.
Mit Werken von: Heinrich Aldegrever, Ernst Barlach, Willi Baumeister, Peter August Böckstiegel, Theodor Brün, Otto Coester, Lovis Corinth, Gustav Deppe, Adolf Erbslöh, Cuno Fischer, Wilhelm Geißler, K.O. Götz, Erich Heckel, Hans Kaiser, Alexander Kanoldt, Käthe Kollwitz, Emmy Kraushaar, Max Liebermann, Gerhard Marcks, Frans Masareel, Wilhelm Morgner, Theo Ortmann, Jacob Pins, Christian Rohlfs, Josef Scharl, Karl Schmidt-Rottluff, Pravoslav Sovak, Hermann Stenner, Eberhard Viegener, Irmgart Wessel-Zumloh, Fritz Winter
Öffnungszeiten:
Dienstag – Samstag 10:00 – 17:00 Uhr
Sonntag: 10:00 – 18:00 Uhr
Montag: geschlossen
Weitere Informationen direkt unter: museum-hamm.de