Die Fragen, was einen Menschen ausmacht, welche Einflüsse ihn prägen, wie sich gesellschaftliche Zuschreibungen überwinden lassen und welche alternativen Lebensentwürfe denk - und lebbar sind, bilden einen zentralen Ausgangspunkt im Werk von Catherine Opie. Seit den frühen 1990er Jahren entwickelt die Künstlerin ein komplexes, medienübergreifenden Œuvre, das vor allem Fotografien, aber auch Filme, Kunstbücher und Installationen umfasst.

1961 in Sandusky, Ohio, geboren und heute in Los Angeles tätig, arbeitet Opie mit drei grundlegenden fotografischen Genres: Landschaft, Porträt und Dokumentation. Diese dienen ihr weniger als feststehende Kategorien denn als Ausgangspunkte für die fortlauf ende Auseinandersetzung mit Fragen von Sichtbarkeit und Repräsentation sowie der Praxis der Fotografie als Akt des Bezeugens. Ihr Werk verbindet dokumentarische Präzision mit künstlerischer Setzung und poetischer Tiefe – von den frühen, von der Malereitradition der Renaissance inspirierten Porträtaufnahmen ihres queeren Umfelds über Serien, die Landschaft als Resonanzraum für Identität, Hoffnung und Traumata erkunden, bis hin zu den eindringlichen Dokumentationen sozialer Bewegungen wie Black Lives Matter oder von Protestmärschen im Kontext der Präsidentschaft von Donald Trump.

Als genaue Beobachterin des gesellschaftlichen Lebens knüpft Opie an die Tradition der sozialorientierten Dokumentarfotografie des 20. Jahrhunderts an – geprägt durch fotografische Positionen wie Lewis Hine, Robert Frank, Diane Arbus und Dorothea Lange – und unterzieht sie einer weitsichtigen, einfühlsamen Aktualisierung.

Mit The Pause That Dreams Against Erasure präsentiert das Fridericianum die erste institutionelle Einzelausstellung von Opie in Deutschland und gibt mit mehr als 70 Arbeiten aus über drei Jahrzehnten einen umfangreichen Einblick in das Werk der Künstlerin.

Von Opie als ortsspezifische Setzung konzipiert, tritt die Ausstellung in einen Dialog mit der Architektur und Geschichte des Hauses sowie mit den Aufklärungs - und Modernediskursen, die das Fridericianum als eine der ältesten Kulturinstitutionen Europas bi s heute prägen. Als erster Museumsbau auf dem europäischen Kontinent steht dieser Ort für eine Idee von Öffentlichkeit, die unter wechselnden politischen Systemen immer wieder neu beansprucht, umgedeutet und zurückgewonnen wurde. Vor diesem Hintergrund erl angen Opies Reflexionen über utopische und dystopische Aspekte der Gegenwart und das Ringen um demokratische Strukturen und gesellschaftliche Teilhabe eine besondere Relevanz.

Angesichts des globalen Erstarkens demokratiefeindlicher Diskurse versteht sich die Ausstellung nicht nur als kunsthistorische Würdigung des Werks von Opie, sondern auch als Beitrag zur aktuellen gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung um Identität und Deutungshoheit.

Über die Künstlerin
Von 2019 bis 2024 war Opie Inhaberin des Lynda and Stewart Resnick Endowed-Lehrstuhls im Fachbereich Kunst an der University of California, Los Angeles, wo sie von 2001 bis 2024 ebenfalls die Professur für Fotografie im Fachbereich Kunst bekleidete. Von 20 00 bis 2001 lehrte sie als Professorin für Bildende Kunst an der Yale University in New Haven. Ihre Werke waren in vielen Einzelpräsentationen zu sehen, unter anderem im Museum of Contemporary Art in Chicago (2006), im Guggenheim Museum in New York (2008), im Los Angeles County Museum of Art (2016), im Henie Onstad Kunstsenter in Oslo (2017) oder im Museu de Arte de São Paulo (2024). Darüber hinaus nahm sie an zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen teil, darunter die Whitney-Biennale in New York (1995, 2004) oder die Istanbul-Biennale (2011). In diesem Frühjahr zeigt die National Portrait Gallery in London eine Einzelausstellung der Künstlerin (Eröffnung: 6. März), die anschließend in der Royal Scottish Academy zu sehen sein wird (Eröffnung: 7. August). Im Sommer folgt eine Präsentation im PoMo Museum in Trondheim (Eröffnung: 25. Juni).Opie wurde für ihr Werk mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter die Archives of American Art Medal der Smithsonian Archives of American Art Institution (2016), der President’s Lifetime Achievement Award der Women’s Caucus for Art (2009) und dem United States Artists Fellowship (2006).


Öffnungszeiten:
Dienstag – Mittwoch: 11:00 – 18:00 Uhr
Donnerstag: 11:00 – 20:00 Uhr
Freitag – Sonntag: 11:00 – 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: fridericianum.org