Die Galerie im Schlosspavillon präsentiert ab 25. Januar die Einzelausstellung „Tanja Fender – Epistemische Räume“. Die Münchner Bildhauerin und Zeichnerin Tanja Fender (*1973 in Winogradar, Kirgisien) beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit dem komplexen Verhältnis von Mensch und Tier und untersucht zugleich menschliche Urzustände und Urgefühle. In Ismaning erschafft sie eine märchenhafte, bisweilen mystisch anmutende Installation aus rätselhaften Tierwesen, die menschliche Verhaltensweisen zeigen oder menschliche Züge tragen, was auf seltsame Weise verstörend wirkt und vielfältige Gefühle hervorruft.
Für die Ausstellung in Ismaning hat Fender eigens einige neue Arbeiten geschaffen. Zu sehen sind Skulpturen sowie Zeichnungen und Gemälde auf Papier und Leinwand. Die drei Räume des Schlosspavillons sind dabei verschiedenen Themen zugeordnet und beschäftigen sich mit existentiellen Situationen und Gefühlen wie dem Sehnen nach einem anderen Leben, dem Nachdenken über die Welt, Zuneigung, Liebe und Mitleid, Fürsorge und Bedrohung, Angst und Trauer, der Nahrungsaufnahme oder auch dem nackten Überleben.
Fenders Wesen besitzen eine ganz eigene Persönlichkeit, die sowohl vertraut als auch eigentümlich irritierend wirkt. Ihre detailreichen Arbeiten schafft sie aus Materialien wie Silikon, Kunstfell, Wolle, Filz, Glas und anderen Werkstoffen. Durch die sorgfältige Ausformung erscheinen ihre Wesen auf den ersten Blick oft lebensnah, dann wieder verfremdet, insbesondere auch durch ihre Maßstäbe, die häufig übersteigert sind. Dadurch erhalten die Tiere bisweilen die Anmutung von fremden Wesen oder gar von Ergebnissen von Tierversuchen. Gerade in diesem Kontext wirken die menschlichen Züge oder menschlichen Gefühle, die wir ihnen zuschreiben, wiederum besonders intensiv.
Ein großer Bär am Eingang der Ausstellung hat seine rechte Pranke erhoben und hält im anderen Arm zärtlich ein kleines Kind. Weitere Tiere wie Mäuse, Maulwürfe, Nacktmulle und Ameisen bevölkern den bildnerischen Kosmos von Tanja Fender. Einige der Tiere wirken anrührend schutzbedürftig, während andere wiederum in ihrer eigenen Gedankenwelt gefangen scheinen oder nahezu melancholisch ihren tiefsten Sehnsüchten nachspüren. Und ein Adler, das mächtige Wappentier, steht mit ausgebreiteten Armen groß und präsent auf dem Kaminsims – allerdings bietet er gerupft und mit seiner rosa Haut eine eher mitleiderregende Erscheinung.
Neben den Skulpturen zeigen Tanja Fenders Aquarelle weitere Aspekte des Zusammenlebens von Tier und Mensch und erweitern ihre rätselhafte bildnerische Welt.
Durch den Titel „Epistemische Räume“ wird die Ausstellung im Schlosspavillon als ein Erkenntnisraum verstanden, in dem die Vielschichtigkeit menschlicher Erfahrungen in Krisenzeiten reflektiert und hinterfragt wird – über Tierdarstellungen und metaphorische Ebenen. Epistemisch verweist hier auf die Frage nach Wissen, Wahrnehmung und Bewusstwerdung der inneren und äußeren Konflikte, die Menschen in solchen Zeiten durchleben.
Öffnungszeiten:
Dienstag – Samstag: 14:30 – 17:00 Uhr
Sonntag: 13:00 – 17:00 Uhr
Montag sowie Faschingsdienstag, 24., 25. und 31.12. geschlossen.
Weitere Informationen direkt unter: schlosspavillon-ismaning.de
Schloßstr. 1
85737 Ismaning