Künstler, Verleger, Virtuose: Der niederländische Kupferstecher und Maler Hendrick Goltzius (1558-1617) ist ein Ausnahmekünstler des europäischen Manierismus. Bereits zu Lebzeiten fand sein Werk aufgrund seines technischen Könnens, seiner gestalterischen Vielfalt und der herausragenden Qualität seiner Kupferstiche große Anerkennung.

In Kooperation mit der Kunstsammlung der Georg August-Universität Göttingen spannt das Landesmuseum Hannover mit rund 80 Kunstwerken auf Papier einen Bogen von Goltzius' verlegerischem Erstlingswerk bis zu seinen druckgrafisch ausgereiften Arbeiten, die er unter dem Eindruck einer Italienreise schuf. Die Ausstellung lädt dazu ein, in die detailreiche und sich immer wieder wandelnde Welt dieses außergewöhnlichen Künstlers einzutauchen.

Mit erstaunlicher Innovationskraft rückt Goltzius die Welt der antiken Mythologie wie auch die des Christentums immer wieder neu ins Bild. Den Kupferstich verstand er nicht nur als ein Medium der Vervielfältigung, sondern als eigenständige Kunstform, die ein hohes technisches Können, handwerkliche Fertigkeit und einen scharfsinnigen Verstand verlangte. Dies spiegelt sich auch in der Fähigkeit wider, kunsttheoretische Inhalte und Fragen zum künstlerischen Selbstverständnis in seinen eigenen Werken zu reflektieren.

Die Welt der römischen Antike besaß im 16. Jahrhundert noch moralische Vorbildfunktion. Goltzius Mythologien, seine Götter und Helden folgen diesem Verständnis und sind zugleich immer auch willkommener Anlass zur virtuosen Darstellung des männlichen Körpers in den unterschiedlichen Stellungen und Ansichten.

Die religiöse Druckgrafik des Haarlemer Künstlers entsteht vor dem Hintergrund konfliktreicher Auseinandersetzungen zwischen den protestantischen nördlichen Niederlanden und den kätholischen südlichen Provinzen. Als Verleger und Kupferstecher handelte Goltzius in dieser Situation unternehmerisch überaus geschickt: Indem er sowohl protestantische als auch katholische Glaubensgruppen bediente, konnte er seine Produkte in ganz Europa vertreiben. Die sechsteilige Kupferstichfolge der »Meisterstichek gilt dabei als unbestrittenes Hauptwerk. Jedes Blatt ist im Stil eines anderen berühmten Künstlers gearbeitet, wobei es Goltzius gelingt, die jeweils herausragenden Qualitäten der Vorbilder weiter zu akzentuieren.

Ein besonderer Schwerpunkt in der Ausstellung gilt Goltzius' Auseinandersetzungen mit den Metamorphosen des römischen Dichters Ovid (43 v. Chr.-17 n. Chr.). Goltzius machte es sich zur Aufgabe, die gesamten Metamorphosen in einer grafischen Serie zu publizieren, um so der antiken Dichtung ein bildliches Pendant gegenüberzustellen. Dazu schöpfte er eine bisher unbekannte Fülle von Darstellungen aus dem antiken Text und unterstrich die Ebenbürtigkeit von Dichtung und Bildender Kunst.


Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag: 10:00 – 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: landesmuseum-hannover.de

Hendrick Goltzius, Apoll, 1588 © Landesmuseum Hannover, Kupferstichkabinett
31.10.2025 - 01.03.2026

Verwandlung der Welt. Meisterblätter von Hendrick Goltzius

Niedersächsisches Landesmuseum Hannover

Willy-Brandt-Allee 5
30169 Hannover