Jana Gunstheimer arbeitet multimedial und schafft eigene bildsprachliche Erzählungen aus Zeichnungen, Malerei und Objekten. Oft zerstört sie dafür bildnerische Vorlagen, vor allem wenn die Macht der Bilder „unheimlich“ zu werden scheint.

Für die Einzelausstellung in der Neuen Galerie Gladbeck fügt Jana Gunstheimer Textilarbeiten der letzten fünf Jahre zu einer großen Gesamtinstallation zusammen. Der Parcours ihrer Arbeiten folgt einem fiktiven Grundriss aus unterirdischen Verbindungen, wie sie für die alten Stollen des Bergbaus des Ruhrgebiets und des Erzgebirges vertraut sind. Wie ein unsichtbares Nervensystem entsteht ein Netz aus imaginierten Zusammenhängen. Eingewoben in dieses Netz sind auch Historie, Sprachfragmente und Erinnerungen.

Gunstheimer, die sich in vielen Arbeiten mit Ideologisierungen und der aktuellen Beliebtheit von Verschwörungserzählungen beschäftigt, zeigt mit einer ungewöhnlichen Bildsprache und Collagetechnik auf, wie auch unvereinbare Wahrheiten oft denselben Strukturen entstammen.

Einige Stoffe bearbeitet sie mit Erde, Pflanzen und anderen regionalspezifischen Substanzen (Räucherkerzen, rote Beete, „Stierblut“, Wikinger Met, Rondo-Kaffee, Pfeffi-Schnaps oder Kohle). Die textile Praxis des Färbens, Verwebens und Zusammenfügens verweist ebenso auf Techniken der Volkskunst, als auch auf kultische oder (dubiose) rituelle Handlungen zur Abwehr und Heilung.

„Kreativität entsteht dort, wo Gewissheiten ins Wanken geraten. Erst wenn der Geist erschüttert wird, ordnet sich das Denken neu.“ Der zweite Teil der Ausstellung besteht aus der umfangreichen Plakatserie aus Handsiebdrucken: 95 THESEN DER KUNST – Ein Kompass zur Desorientierung. Sie versammelt Zitate, Manifeste, Handlungsanweisungen oder Slogans aus der Geschichte und Gegenwart der Kunst und Kunstkritik. Die Serie entstand in Zusammenarbeit mit Tom Ackermann und besteht aus typographisch hochwertig gestalteten Handsiebdrucken.

Jana Gunstheimer (geb. 1974 in Zwickau) studierte Ethnologie, Kunstgeschichte und Bildende Kunst in Leipzig und Halle. Es folgten Gastsemester und Stipendien in Athen und Ohio. 2010 war sie Stipendiatin in der Villa Massimo in Rom. Seit 2016 hat sie eine Professur für Experimentelle Malerei und Zeichnung an der Bauhaus Universität in Weimar inne. Im Ruhrgebiet war sie erstmals als 6. Stipendiatin des Stipendiums „Junge Kunst in Essen“, 2003 / 2004 zu Gast.


Öffnungzeiten:
Mittwoch – Sonntag: 15:00 – 20:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: galeriegladbeck.de

Pressebild Jana Gunstheimer: Treibstoff © Jana Gunstheimer
29.11.2025 - 15.02.2026

Jana Gunstheimer: Treibstoff

Neue Galerie Gladbeck

Bottroper Straße 17
45964 Gladbeck