Mit dem Jenisch Haus als klassizistischer Sommerresidenz mit malerischem Blick auf den Elbstrom verwirklichte sich der Hamburger Senator Martin Johan Jenisch (1793-1857) seinen Traum vom Süden. Von den Architekten Franz Gustav Forsmann und Karl Friedrich Schinkel in den Jahren 1831 bis 1834 im Stil des antikisierenden Spätklassizismus errichtet, stellt das Jenisch Haus eine Form von Gesamtkunstwerk dar. Denn auch die Innenausstattung wurde vom Bauherrn sorgsam kuratiert - Jenischs Gemäldesammlung war zu seinen Lebzeiten eine Hamburger Sehenswürdigkeit und wurde im Adressbuch von 1833 ausdrücklich als kleine Sensation empfohlen.

Die Ausstellung „Der Traum vom Süden“ präsentiert eine exquisite Auswahl von Gemälden aus der Sammlung Jenisch, u.a. von namhaften Künstlern wie Johan Jacob Gensler, Anton Melbye, Franz Xaver Winterhalter, Franz Ludwig Catel sowie der Brüder Franz und Johannes Riepenhausen. Jenisch besuchte die Malerbrüder Riepenhausen und andere deutsche Maler häufig in ihren Ateliers in Rom. Er war besonders fasziniert vom Künstlerleben der sogenannten „Deutschrömer“, in dessen Mittelpunkt der dänische Bildhauer Bertel Thorvaldsen stand, vom dem sich Spuren in der Innenarchitektur des Jenisch Hauses finden. Seine Atelierbesuche in Rom und anderen Städten Italiens dokumentierte Jenisch in seinen Reisetagebüchern, aus denen Zitate und Kommentare in der Ausstellung erläutern, was den hanseatischen Kunstliebhaber zum Kauf des jeweiligen Bildes motivierte.

Bei ihrem Blick auf die Sammlung Jenisch fokussiert sich die Ausstellung neben der Herkunft der Bilder und Objekte auf zwei wichtigen Aspekte aus der hamburgischen Geschichte des 19. Jahrhunderts: Zum einen auf die Zeit der französischen Besatzung von 1806 bis 1814 unter Napoleon Bonaparte und zum anderen auf den Großen Brand im Jahr 1842. Anhand des Gemäldes „Napoleon vor Moskau“ von Albrecht Adam lässt sich beispielweise deutlich machen, dass für Jenisch beim Erwerb des Bildes eine familiäre Auseinandersetzung mit der Franzosenzeit in Hamburg eine Rolle spielte. Beim Großen Brand war auch Jenischs damaliges Stadthaus in der Hamburger Innenstadt betroffen, aus dem ein Teil seiner Gemäldesammlung ins Jenisch Haus gerettet werden konnte. Als Präses der Baudeputation war der Senator nach der Brandkatastrophe maßgeblich am Wiederaufbau der beschädigten Stadtviertel beteiligt und schenkte der zerstörten Hauptkirche St. Petri zur Wiederweihe einen Taufstein aus Alabaster, der dort noch heute zu sehen ist.

Franz Xaver Winterhalter, Italienisches Mädchen, Sammlung Jenisch, Altonaer Museum, Foto SHMH .jpg
30.03.2020 - 18.01.2021

Der Traum vom Süden. Die Sammlung des Senators Martin Johan Jenisch

Jenisch Haus

Baron-Voght-Straße 50
22609 Hamburg