Mit Cosima von Bonin (*1962 in Mombasa, Kenia) und Claus Richter (*1971 in Lippstadt) sind zwei eng befreundete Künstler eingeladen, zusammen eine Ausstellung für die frisch sanierten Räume der Kunsthalle Nürnberg zu entwickeln. Eine gemeinschaftliche Einladung erscheint naheliegend, gehört doch die Kollaboration zum generellen Arbeitsprinzip von Cosima von Bonin und Claus Richter. Gerade Cosima von Bonin verfolgt seit Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn Ende der 1980er-Jahre eine Strategie der kollektiven, in Netzwerken organisierten Kunst­produktion. Bewusst verschleiert sie eine dezidierte Autorenschaft, um in einem Ensemble aus Kulturproduzent*innen etwas zu entwickeln, was der Autor und Theoretiker Diedrich Diederichsen einmal als „Cliquenkunstwerk“ bezeichnet hat.

Skulptur, Wandbild, Fotografie, Film, Performance, Musikprojekte und bühnenhaft inszenierte Installationen: Die Arbeitsweise von Cosima von Bonin ist gattungs­übergreifend und ausgesprochen vielfältig. Vertraut erscheinende Objekte werden ver­fremdet, indem Größenverhältnisse manipuliert und deren Materialität und Textur verändert werden. Ihr Werk ist durch ein komplexes Referenzsystem auf andere Künstler*innen, Mode, Musik und handwerkliche Traditionen geprägt. Diese Verweise sind nicht zwangsläufig für die Betrachter*innen lesbar, und ein erschöpfender Erklärungsversuch des Einzelwerks ist zumeist weder möglich noch von der Künstlerin gewünscht.

Claus Richter arbeitet als konzeptueller Bildhauer an der Schnittstelle von Fantasie und Wirklichkeit, Schein und Sein, Imagination und Wissen. Sein Interesse gilt dabei vorrangig den künstlichen Welten der Unterhaltungsindustrie wie Themenparks, Film- und Theaterkulissen, die dem Publikum eine „verzauberte“ Realität vorspielen. Seine Installationen, Skulpturen, Zeichnungen und Performances thematisieren die Unterhaltungskultur der Gesellschaft und den omnipräsenten Wunsch nach einer Welt „Larger than Life“. Im Ausstellungskontext entstehen teils aufwendige Kulissenlandschaften, in denen der Künstler jedoch nicht die perfekte Kopie einer Broadway-, Hollywood- oder Disneyland-Ästhetik inszeniert, sondern das offensichtlich Gebastelte und Geklebte, Gesägte und Angepinselte feiert.

Gemeinsam ist Cosima von Bonin und Claus Richter die Fähigkeit poetische Parallelwelten zu erschaffen. Anspielungen auf die Konsum- und Entertainmentwelt finden sich ebenso wie differenzierte Verweise auf die emotionale, soziale und subversive Funktion von Kitsch und Groteske. Ihre vielfältigen Protagonisten dienen immer wieder als Stellvertreter für menschliche Emotionen, Ängste und Konflikte. Cosima von Bonin gelingt wie Claus Richter der Spagat zwischen hintergründigem Humor und Melancholie, Lethargie und Neugierde, Zugänglichkeit und Verschlossen­heit, Weltflucht und Spektakel.


Öffnungszeiten:
Dienstag: 10:00 - 18:00 Uhr
Mittwoch: 10:00 - 20:00 Uhr
Donnerstag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: kunstkulturquartier.de/kunsthalle