Der Kölnische Kunstverein realisiert diese erste umfassende Ausstellung, Performance- und Musikreihe in Deutschland, die Tony Conrads künstlerische Arbeit ehrt. Tony Conrad (1940–2016) ist Experimentalkünstler und gilt als Schlüsselfigur für Medienkünstler wie Tony Oursler oder Mike Kelley. Er war als Violinist einer der Mitbegründer der Minimal Music und zusammen mit La Monte Young und John Cale Pionier von Drone-Musik. Als zentrale Figur der Avantgarde, dessen Karriere sich über sechs Dekaden spannte, strahlt sein Werk über Amerika hinaus und wird – nach Conrads Teilnahme an der documenta 5 – mit dieser Ausstellung einem europäischen Publikum in seiner Vielschichtigkeit vergegenwärtigt werden. Mit seinem ersten Film The Flicker (1966) schuf er eine Ikone des strukturellen Films. Seine musikalische Arbeit in Form von Kompositionen, Performances und selbst hergestellten Musikinstrumenten ist unweigerlich mit seinem Werk als bildender Künstler verbunden.

Als zentrale Figur der Avantgarde erreichte Conrad nicht nur Anerkennung durch seine Vorreiterrolle mit Beiträgen als Violinist zur Minimalistischen Musik und zum Strukturellen Film in den 1960ern, er war auch tonangebend für die unterschiedlichsten kulturellen Bereiche, Rockmusik und ö entliches Fernsehen mit eingeschlossen. Conrads erster Film The Flicker (1966), ein stroboskopisches Experiment, das für seinen Angri auf das filmische Medium und auf die Sinne seines Publikums bekannt ist, führte bald zu Projekten, in denen er Film als skulpturales und performatives Material behandelte. Mit Roast Kalvar (1974) beispielsweise röstete – und „belichtete“ – Conrad aufgewickelten Film im Ofen und in seinen Yellow Movies von 1972/73 strich er Papieroberflächen mit handelsüblicher Farbe und präsentierte sie als sich langsam verändernde Filme. Dieser langwierige Prozess war eine Dekonstruktion vom und Parodie auf das Filmemachen. Conrad bahnte den Weg für Drone-Musik und beeinflusste die Gründung von Velvet Underground. Zugleich war er ein kämpferischer Kritiker der Medien und ihrer Überwachungswerkzeuge. In den achtziger Jahren thematisierten seine ehrgeizigen Filme über Machtverhältnisse in der Armee und in Gefängnissen, was er als aufkommende Kultur der Überwachung, Kontrolle und Eindämmung empfand. Seine kollaborativen Programme, für das ö entliche Fernsehen in den 1990er Jahren gescha en, machten ihn zu einer einflussreichen Stimme innerhalb der Gesellschaft (ersichtlich in den Installationen Studio of the Streets, 1991-93/2012 oder WiP, mit Filmen von Tony Oursler und Mike Kelley, 2013). Conrad war Meister des „Crossovers“, der Überbrückung und Verbindung verschiedener Disziplinen, sodass es unmöglich scheint die gegenseitige Abhängigkeit zwischen Kunst, Film, Musik und Performance in zeitgenössischer Praxis ohne ihn zu denken. Darüber hinaus war er leidenschaftlicher Pädagoge – seine 40jährige Tätigkeit als Professor am Medien-Department in der University in Bu alo provozierten und inspirierten Generationen von Studierenden bis heute.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 11:00 - 18:00 Uhr
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Sonderöffnungszeiten Karneval: Freitag, 21. Februar und Samstag, 22. Februar 2020, 11-18 Uhr. Am Donnerstag, 20. Februar, Sonntag, 23. Februar und Montag, 24. Februar 2020 hat der Kunstverein geschlossen.

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