Hintergrundbericht:
Für das 125. Jubiläum suchte die Franz Radziwill Gesellschaft ein Thema, das bislang im Rahmen von Ausstellung noch keine Beachtung fand. In eine Reihe von fünf Einzelausstellungen werden zum ersten Mal die formalen Bildstrategien des Malers beleuchtet, die für seine Gemälde so charakteristisch sind. Die vier vorangegangenen Ausstellungen waren im Jahr 2016 „Schneeeweiß und Nachtschwarz“ über Radziwills Einsatz von Kontrasten, in 2017 die Ausstellung „Die Palette des Malers“ über seine unverkennbare Farbgebung, 2018 „Fläche wird Bild“ zu Radziwill künstlerische  Reflexion der Zweidimensionalität des Mediums Malerei sowie 2019 „Inszenierte Bildräume“ über Radziwills Umgang mit Perspektive und Räumlichkeit.  Die aktuelle Ausstellung „Lichtspiele“ bildet den Höhepunkt der Ausstellungsreihe, die eigens zum 125. Geburtstag konzipiert wurde.

Kooperation:
Das 125. Jubiläum feiert das Franz Radziwill Haus gemeinsam mit dem Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg. Kein anderes Museum ist mit dem Werk Franz Radziwills so eng verbunden: Schon seit seiner Eröffnung im Februar 1923 gehörten Radziwills Gemälde zur Dauerausstellung der neu gegründeten „Modernen Galerie“ im Oldenburger Schloss. Vom 21. März bis 23. August 2020 zeigt das Landesmuseum den gesamten, über Jahrzehnte gewachsenen Bestand an Werken des Malers und macht somit das Lebenswerk des Künstlers anschaulich: Von den radikalen, expressionistischen Frühwerken über die Hinwendung Radziwills zur Magie der „Wirklichkeit“ bis zum Aufgreifen von Motiven des Surrealismus im Spätwerk.

Katalog: 
Zur Ausstellung „Lichtspiele“ erscheint ein Katalog mit ganzseitigen Abbildungen aller ausgestellten Werke und Beiträgen von Birgit Denizel, Kuratorin, Roland März, Kustos der Nationalgalerie Berlin i.R. und Rainer Stamm, Direktor des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg.
Die 96seitige Publikation ist im Künstlerhaus erhältlich (25 €) und bestellbar.

125 Jahre Franz Radziwill:
Franz Radziwill (1895–1983) hat mit seiner eigenwilligen Malerei eines modernen Realismus einen festen Platz in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Sein Schaffen umspannt den Expressionismus, den Magischen Realismus und den Symbolismus. Sein Oeuvreumfasst rund 

850 Ölgemälde und unzählige Aquarellen und Zeichnungen. In öffentlichen Sammlungen ist er deutschlandweit vertreten. Über 30 deutsche Museen besitzen seine Werke, darunter die Nationalgalerie Berlin, die Berlinische Galerie, die Kunsthalle Bremen, die Kunsthalle zu Kiel, das Kunstmuseum Düsseldorf, das Germanische Nationalmuseum Nürnberg, die Städtische Kunsthalle Mannheim, das Museum Ostdeutsche Galerie Regensburg, das Museum Ludwig in Köln, die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, das Von der Heydt-Museum Wuppertal, das Museum Folkwang in Essen, die Hamburger Kunsthalle, das Hessische Landesmuseum Darmstadt, die Städtische Galerie im Lenbachhaus und die Pinakothek  in München, das Kunstmuseum Bochum oder die Pfalzgalerie Kaiserslautern. Vollzählig ist diese Aufzählung nicht.

Die herausragende Bedeutung seiner Malerei ist international anerkannt, sein fantasievolles Credo lautete: „Das größte Wunder ist die Wirklichkeit“. Aus dieser Position abgeleitet profilierte sich Radziwill auch alsfrüher Naturschützer: Ein Hauptthema seiner Malerei sind die zerstörerischen Seiten der technischen Zivilisation. Seine Darstellungen der Ambivalenz des Fortschritts besitzen angesichts der Umweltdebatte eine brennende Aktualität. 

Franz Radziwill hat den entscheidenden Teil seines Malerlebens im Künstlerort Dangast verbracht, der von 1907 bis 1912 Sitz der Geschäftsstelle der Künstlervereinigung „Die Brücke“ war. 

1923 erwarb er in der heutigen Sielstraße ein Fischerhaus, das er als gelernter Maurer über Jahrzehnte eigenhändig ausbaute. Über 60 Jahre hielt Radziwill seinem Dorf, das ihm der Maler Karl Schmidt-Rottluff damals empfahl, die Treue. Der gesamte Gebäudekomplex und das Interieur sind als Gesamtkunstwerk im ursprünglichen Zustand erhalten und stellen in den Etappen der Entstehung eine Art „gemauerteKünstlerbiografie“ dar – einzigartig in Deutschland. So bietet das originale Künstlerhaus ein ideales Umfeld für die authentische Vermittlung der Kunst Franz Radziwills. 

Zahlreiche Ehrungen hat Franz Radziwill zu Lebzeiten erhalten
1928    Goldene Medaille der Stadt Düsseldorf für das Ölgemälde Die Straße
1964    Rom-Preis der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom
1965      Großes Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens
1970      Großer Niedersächsischer Kunstpreis (heute Nds. Staatspreis)
1970      Ehrengabe der Oldenburg-Stiftung
1971      Großes Verdienstkreuz zum Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland
1978      Oldenburg-Preis der Oldenburgischen Landschaft, Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Gemeinde Stadtland und des Ehrenbürgerrechts der Stadt Varel
1980      Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Oldenburg zum 85. Geburtstag

In der Hansestadt Bremen wurde im Stadtteil Findorff der Franz-Radziwill-Wegnach ihm benannt.

In Wilhelmshaven gibt es im Neubaugebiet Maadetal einen Franz-Radziwill-Weg.
In Oldenburg existiert eine Franz-Radziwill-Straßeim Stadtteil Kreyenbrück.

Franz Radziwill Gesellschaft .V.:
Die Franz Radziwill Gesellschaft wurde 1986 als Initiative der Familie, von Freunden, Kunsthistorikern und Sammlern gegründet mit dem Ziel, das Werk regional und international weiter bekannt zu machen. Seit nunmehr 32 Jahren steht das Wohnhaus mit dem großen Atelier dem interessierten Publikum offen. Jährlich finden dort immer neue Ausstellungen zu Leben und Werk des Malers statt.

Zugleich entwickelte die Franz Radziwill Gesellschaft ein erfolgreiches museumspädagogisches Konzept mit einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm. So wurde das Künstlerhaus zu einem beliebten Kulturzentrumfür die Region. Das Haus, dessen Architektur und Gestaltung als ebenso außergewöhnlich betrachtet werden kann wie das bildnerische Werk, prägt die niedersächsische Kulturlandschaft und trägt dazu bei, den Ruf von Dangast alsKünstlerortvon internationaler Bedeutung, u.a. durch die Mitgliedschaft bei EuroArt, auch kulturtouristischaufrecht zu erhalten.    

Zu den wechselnden Ausstellungen publizierte die Franz Radziwill Gesellschaft zahlreiche Kataloge, die stets einen bislang wenig erforschten Aspekt der Kunst Radziwills in den Mittelpunkt stellen. Besonders erwähnt sei der umfangreiche Katalog „Franz Radziwill in der Zeit des Nationalsozialismus“von 2011, in dem auch internationale Autoren die ambivalente Beziehung des Künstlers zur Politik der 30er Jahre untersuchen und ihre Forschungsergebnisse präsentieren. Der Katalog erschien in Kooperation mit der Kunsthalle Wilhelmshaven und im Rahmen des Ausstellungs-projekts „5 mal Radziwill im Norden“, an dem sich außerdem die Kunsthalle Emden, das Stadtmuseum Oldenburg und das Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte beteiligten.

Mit dem Landesmuseum Oldenburgunter Leitung von Prof. Dr. Rainer Stamm kooperiert die Franz Radziwill Gesellschaft besonders eng, nicht zuletzt weil die Institution die weltweit größte umfangreichste Sammlung von Radziwill Werken besitzt. Parallel zur Ausstellung in Dangast zeigt das Landesmuseum im Jubiläumsjahrdie Ausstellung „Franz Radziwill. 125 Werke zum 125 GeburtstagDie Ausstellung im Oldenburger Schloss läuft vom 21. März bis zum 18. August 2020.

Abgesehen von internationalen Ausstellungsbeteiligungen haben in den letzten Jahren große Museen unserer Region die Bedeutung des Künstlers herausgestellt: 2017 zeigte die Bremer Kunsthalledie überaus erfolgreiche Schau „Franz Radziwill und Bremen“, im vergangenen Jahr widmete sich die Emder Kunsthallemit der Ausstellung „Radziwill und die Gegenwart“der Aktualität seines Werkes. In der Münchener Pinakothekwurde ein neu erworbenes Radziwill-Gemälde spektakulär gezeigt. Das doppelseitig bemalte Ölbild Grodenstraße nach Vareler Hafen (1938)/Landschaft mit drei schwarzen Schemen (1921/25)war dort erstmals von beiden Seiten zu betrachten, worüber ein Begleitheft informierte.

Im letzten Herbst  Jahr erschien die umfassende erste Biografie des Malers im Mitteldeutschen Verlag Halle, die der Autor Prof. Dr. Eberhard Schmidt auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt hat.


Öffnungszeiten:
Mittwoch - Freitag: 15:00 - 18:00 Uhr
Samstag - Sonntag (Feiertage): 11:00 - 18:00 Uhr
Montag - Dienstag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: radziwill.de