Jiri Tichýs gewebte Fantasien sind bildgewaltig und überwältigend in ihrer Monumentalitat. Der tschechische Künstler hat seine Werke nicht am Stück gewebt, sondern in verschiedenen Partien, die er schließlich zusammenfügte. Dafur arbeitete er an einem eigens konstruierten Hochwebstuhl manchmal Monate, manchmal Jahre lang an einem einzelnen Werk. Die Resultate sind nicht Tapisserien im herkömmlichen Sinne, denn sie geben Flächigkeit und Rechtwinkligkeit auf. Oft sind sie kaum mehr als ein loser Zusammenhang eines Gewebes, von Lücken und Löchern durchsetzt, mit eingearbeiteten Fundstücken versehen. Sie formen sich zu spielerischen Konturen mit reliefhaften, plastischen Oberflächen, die Tichý ausdrucksstark strukturiert und rhythmisiert hat.

Seine Arbeiten verbinden traditionelle Volkskunst, mythologische Motive, die Farbigkeit und Ausdruckskraft des Expressionismus, die Mehrdeutigkeit und Widersprüchlichkeit surrealistischer Kunst und nicht zuletzt die Ornamentik des Jugendstils und Bauhauses. Tichýs Werke sind figürlich, abstrakt und ornamental zugleich. 

Jirí Tichý ist in öffentlichen und privaten Institutionen und Sammlungen in mehreren Ländern Europas, in Japan und Indien, in Kanada und in den Vereinigten Staaten von Amerika vertreten. Er zählt zu den Gründervätern der Neuen Textilkunst seit 1960, die die weitere Entwicklung dieser Kunstbewegung seit dem Beginn der „Biennale internationale de la tapisserie“ in Lausanne im Jahre 1962 geprägt haben.