Eine der wichtigsten Aufgaben des 21. Jahrhunderts besteht darin, dem 20. Jahrhundert einen Sinn zu verleihen: es bis auf die Knochen zu durchleuchten, um kleine Anhaltspunkte dafür zu entdecken, was aus uns geworden ist. Wir durchsuchen jenen „Haufen von Fragmenten privater Bilder vor einem zerschlissenen Hintergrund von Gemetzeln und Krönungen“, in dem der Schriftsteller Italo Calvino die „wahre, totale Fotografie“ erkannte.

In den vergangenen zehn Jahren wurden Hunderttausende alte Nachrichtenfotos, meist Schwarz-Weiß-Bilder im Format 8x10 Zoll, online verramscht. Die Zeitungen kämpfen ums Überleben und die alten Fotos in ihren Archiven werden als Erstes aufgegeben. Die meisten gehen für wenige Dollar an den oder die erstbeste*n Käufer*in. Welches Schicksal auch immer diesen Fotografien bestimmt ist – sie finden sich in neuen Kontexten wieder, um von Künstler*innen umgedacht, von Sammler*innen erworben, von Historiker*innen untersucht und von Kurator*innen ausgestellt zu werden. Das Interesse, das Künstler*innen augenblicklich an alten Nachrichtenbildern zeigen, bewegt sich zwischen Medienarchäologie, Geschichte und Bildgestaltung. Die alten Fotos werden überarbeitet, aber auch repräsentiert, damit wir sie in ihren fremdartigen neuen Zusammenhängen betrachten oder unvermutet antreffen können. Das Ergebnis ist eine Art Viel-Zeitlichkeit, in der das Bild als das gesehen wird, was es war, was es jetzt für die Künstler*innen und Betrachter*innen ist und was es in Zukunft werden könnte.

Künstler*innen: Sebastian Riemer, Thomas Ruff, Clare Strand, Stanley Wolokau- Wanambwa et. al.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Mittwoch: 11:00 - 18:00 Uhr
Donnerstag: 11:00 - 20:00 Uhr
Freitag - Sonntag: 11:00 - 18:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: hdkv.de

Clare Strand, aus der Serie Snake, 2017 Courtesy Parrotta Contemporary Art, Köln/Bonn
29.02. - 26.04.2020

Biennale für aktuelle Fotografie 2020: Yesterday’s News Today

Heidelberger Kunstverein

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