James-Simon-Galerie, Berlin, Deutschland
David Chipperfield Architects

Mit dem DAM Preis 2020 erhalten David Chipperfield Architects diese Auszeichnung bereits zum zweiten Mal: 2010 für das Neue Museum auf der Berliner Museumsinsel und nun für die James-Simon-Galerie am selben Ort. Denn was kann nachhaltiger sein als ein neuer, gelungener Stadtbaustein, den man nicht missen mochte und der vorher offenbar gefehlt hat? Ein Stadtbaustein, der mit großer Sorgfalt eingefügt wurde zwischen die Bauten der klassischen Meister Friedrich August Stüler (Neues Museum, Alte Nationalgalerie), Karl Friedrich Schinkel (Altes Museum) und Alfred Messel (Pergamonmuseum).

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz als Bauherrin wusste, was noch fehlte im Ensemble der Museumsinsel, welche Funktionen übersehen worden waren oder noch nicht auf der Agenda standen im 19. Jahrhundert: ein genügend großer Museumsshop, Aufzüge, Garderoben und Toilettenanlagen für eine immer größer werdende Schar an kulturinteressierten Besuchern, ein Vortragssaal, ein Café und Restaurant sowie eine eigene allgemeine Wechselausstellungsfläche.

Das alles ist nun auf einer städtebaulich prägnanten Ecke am Kupfergraben untergebracht, wo früher der – 1938 abgebrochene – Neue Packhof von Schinkel gestanden hatte. Es sind drei räumliche Elemente, die die Komposition hauptsächlich ausmachen und ihr eigentliches, überraschend großes Volumen ver- bergen. Vom Kupfergraben und über die Eiserne Brücke kommend, erblickt man die unwirklich schlanke Pfeilerhalle, dieüber einem mächtigen Sockel über dem Kupfergraben schwebt. Hinter der Pfeilerhalle liegt die breite, dreifach geknickte Freitreppe, die zu dem Portalbau des oberen Eingangs führt. Und schließlich dockt ein ebenfalls von schlanken Stützen formulierter Innenhof im Erdgeschoss nahtlos an die Stülerschen Kolonnaden an, durch das Aufnehmen ihrer Proportionen und ihres Rhythmus. Dieser neue Innenhof verbindet die James-Simon-Galerie mit dem gegenüberliegenden Neuen Museum und dem noch langeim Bau befindlichen Pergamonmuseum. Im Erdgeschossbefindet sich daszentraleFoyer als Verteiler nach unten und oben oder in das überraschend große Auditorium, das in den Hohlraum unter die Freitreppe geschoben wurde. Im Untergeschoss wird eines Tages die Archäologische Promenade vier der fünf Museen miteinander verknüpfen. Oben auf der Terrasse der Galerie befindet sich das Café und Restaurant Cu29, dessen Interieur ebenfallsvon David Chipperfield Architectsgestaltet wurde.

Materialien und Ausführung sind exquisit gewählt und gefügt: im Inneren glatter Sichtbeton, der in Kontrast gesetzt ist zu einer transluzenten Marmorwand oder Furnieren aus dunklem Walnussholz, die Handlaufeund BeschlageausBronze, dieBoden ausMuschelkalk. Draußen veredelt und unterstreicht ein Marmorzuschlag im Beton den strahlenden Charakter des neuen Baus.

Zu erwähnen ist noch, dass im vor zehn Jahren ausgezeichneten Nachbargebäude – dem Neuen Museum – das prominenteste Exponat die Büste der Nofretete ist. Entdeckt wurde sie bei Grabungen, die der Berliner Unternehmer James Simon (1851–1932), finanziert hatte. Das neue Eingangsgebäude auf der Museumsinsel würdigt auch sein Mäzenatentum.