150 Arbeiten italienischer Fotografinnen von 1965 bis heute: Mit RESISTANCE & SENSIBILITY präsentiert das Fotografie Forum Frankfurt Themen, Methoden und ästhetische Entwicklungen der jüngsten Fotografiegeschichte – und einen bislang unentdeckten
Schatz weiblicher Fotokunst.

Frankfurt am Main, 30.01.2020 – Fünf Jahrzehnte Fotografie aus weiblicher Sicht: MitRESISTANCE & SENSIBILITY zeigt das Fotografie Forum Frankfurt 150 Arbeiten von mehr als 60 italienischen Fotografinnen von 1965 bis heute. Zu sehen sind verschiedenste Facetten von Alltag, Gesellschafts- und Zeitgeschichte; dabei steht oft das Leben von Frauen im Fokus. Hoffnungen und Illusionen, Beziehungsbande, Kämpfe und Grenzüberschreitungen sind nur einige der thematisierten Aspekte.

Alle Arbeiten stammen aus der Collezione Donata Pizzi. Die 2014 von der italienischen Fotografin und Sammlerin Donata Pizzi begonnene Kollektion gehört zu den weltweit wenigen Sammlungen mit Werken ausschließlich von Fotografinnen. Derzeit umfasst sie mehr als 250 Arbeiten von 70 Künstlerinnen verschiedener Generationen und wird laufend erweitert.

Ebenso wie die Sammlung präsentiert auch RESISTANCE & SENSIBILITY wichtige Phasen
und Themen der jüngeren italienischen Fotografie. So stehen viele der frühen Arbeiten der Ausstellung in einer dokumentarisch-erzählerischen Tradition. Dazu gehören Letizia Battaglias mitunter schockierende Zeugnisse von Taten der sizilianischen Mafia, Paola Agostis anrührende Schwarz-Weiß-Beschreibungen der ländlichen Armut in Norditalien und Giovanna Borgeses journalistische Darstellung von Frauen der linksextremen Terrorgruppierung »Prima Linea«. Bisher selten gezeigt: Lisetta Carmis ab 1965 entstandene, einfühlsame Bilder der Transvestiten-Szene in Genua.

Einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden Positionen des Feminismus und die Befragung von Klischees des typisch Weiblichen. Das Thema Sexismus ironisiert Agnese De Donato, Mitbegründerin des feministischen Magazins »Effe«, in den 1970ern durch die Inszenierung eines halbnackten männlichen Fotomodells. Filmemacherin Adriana Monti stellt sich im Selbstporträt experimentell ihrem Schatten. Paola Mattioli beklebt 1974 eine Puderdose ihrer Mutter mit Fotos demonstrierender Frauen. Wer wie ihr Vater, dem sie das Objekt zueignete, in den Spiegel der Dose schaut, ist konfrontiert mit dem Titel des Werks: Cosa ne pensi del movimento femminista? Was denken Sie über den Feminismus?

Fotografien insbesondere junger Künstlerinnen setzen sich mit Rolle und Identität auseinander.Anna Di Prospero etwa verschmilzt auf poetische Weise Kindheit und Erwachsensein, Gestern und Heute in ihrem Self Portrait with my Mother (2011). Simona Ghizzoni vermittelt sehr persönliche Einblicke in das Thema Magersucht. Alba Zari macht sich mit Selbstporträts und Bilderkennungssoftware auf die Suche nach ihrem biologischen Vater.

Gemeinsam ist den Arbeiten der Schau »der frische und engagierte Blick« der Fotografinnen, den Donata Pizzi als Klammer ihrer Sammlung ausmacht. So bietet RESISTANCE & SENSIBILITYeinen Schatz zeitgenössischer weiblicher Fotokunst – am Beispiel Italien. Und lädt ein zum Dialog darüber, was zur selben Zeit in anderen Ländern von Künstlerinnen geschaffen wurde.

Das Rahmenprogramm bietet zum Teil schon am Eröffnungswochenende Workshops mit preisgekrönten Künstlerinnen der Schau, Vorträge und Führungen, u.a. mit Sammlungsgründerin Donata Pizzi. RESISTANCE & SENSIBILITY wird großzügig unterstützt vom Frauenreferat der Stadt Frankfurt sowie von der »Feith-Stiftung«.

Self Portrait with My Mother, 2011 © Anna Di Prospero
01.02. - 30.08.2020

RESISTANCE & SENSIBILTY. Collezione Donata Pizzi: Woman Photographers from Italy

Fotografie Forum Frankfurt

Braubachstraße 30-32
60311 Frankfurt am Main