Die Arbeit des schottischen Künstlers Keith Farquhar beschäftigt sich mit Alltagsgegenständen, Materialien und technologischen Prozessen. Sie zielt darauf ab, das Angebot des duchamp’schen Readymade voranzutreiben und die künstlerische Geste auf spekulative und offene Weise neu zu erfinden. Die oft übersehenen kulturellen Signifikanten, die sein Werk prägen, sind die gleichen Komponenten, die das Hintergrundambiente unseres zeitgenössischen Lebens bilden. In den letzten Ausstellungen bei Cabinet, London, und High Art, Paris, boten alltägliche Phänomene wie Wäschewaschen, das tägliche Pendeln mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder die Nutzung von Wellnessangeboten zu Erholungszwecken Ansatzpunkte für skulpturale und bildliche Experimente.

In seinen jüngsten Arbeiten findet eine Rückkehr zur Arbeit mit Kleidung statt - ein Material, das seit über 20 Jahren grundlegend für Farquhars Praxis ist. Die weißen T-Shirts werden hier mit transparentem Acrylmedium gespannt und bemalt - die Farbe selbst bleibt somit unsichtbar, so dass die Falten, Fältchen und Ausschnitte der abstrahierten Baumwollkleidung die Rolle der indexikalischen Geste übernehmen und verkörpern. Harnkatheter, Nebenprodukte einer andauernden Krankheit, werden wie blühende Tulpen in einfache Glasvasen gestellt und begleiten die Bilder.

Farquhars Werk zeichnet ein subtiler Humanismus aus, eine Sorge um das menschliche Subjekt inmitten von Bedingungen, die uns von uns selbst und unserer Umwelt radikal entfremden. Vielleicht versucht der Künstler mit diesen neuen Arbeiten, unsere sozialen Konventionen zu stören und zu verunsichern, indem er die Routinen unseres Alltagslebens offenlegt, um unsere Gewohnheiten der stillschweigenden Akzeptanz zu untergraben. Er versucht, bisher nicht anerkannte Realitäten aufzudecken und hervorzuheben, um so Potenziale für Widerstand und Widerstandskraft zu schaffen.

Farquhars Arbeiten wurden international in verschiedenen Galerien und Museen ausgestellt, darunter Cabinet, London, High Art, Paris, Office Baroque, Brüssel, David Zwirner, New York, Galerie Neu, Berlin, With de Witte, Rotterdam, CAPC, Bordeaux, dem Frankfurter Kunstverein, dem Kunstverein Braunschweig, der INIT Kunst-Halle, Berlin und ICA London. Die Ausstellung im Neuen Essener Kunstverein ist Farquhars erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland.


Öffnungszeiten:
Freitag - Sonntag: 14:00 - 18:00 Uhr

Weitere Informationen direkt unter: neuer-essener-kunstverein.de

© Keith Farquhar/Neuer Essener Kunstverein.
29.02. - 31.05.2020

Keith Farquhar: Coders Reuse Us

NEK. Neuer Essener Kunstverein

Bernestrasse 3
45127 Essen