Anlässlich Max Klingers 100. Todestag zeigt die Galerie Stihl Waiblingen zu Jahresbeginn eine umfangreiche Schau zu dessen druckgrafischen Folgen. Die Ausstellung präsentiert neben vollständig gezeigten Zyklen eine Auswahl der schönsten Blätter, die das fulminante grafische Schaffen und den Facettenreichtum Klingers veranschaulichen. Die Themen sind dabei breit gefächert und kreisen um zentrale Belange des menschlichen Lebens wie Liebe und Tod, Glück und Verzweiflung.

Vom 1. Februar bis 26. April 2020 ehrt die Galerie Stihl Waiblingen mit Liebe, Traum und Tod. Max Klingers druckgrafische Folgen einen der bedeutendsten deutschen Künstler der Zeit um 1900. Klingers Todestag jährt sich 2020 zum 100. Mal. Neben seinen viel beachteten Werken auf dem Feld der Malerei und Bildhauerei, sollte vor allem sein grafisches Œuvre wegweisend werden.

Rund 90 Blätter veranschaulichen in der Waiblinger Ausstellung Klingers gestalterische Wandlungsfähigkeit und sein fantasiereiches Schaffen. Im Zentrum stehen die drei Zyklen Ein Handschuh, Ein Leben sowie Vom Tode, Erster Theil, die vollständig gezeigt werden. Daneben werden weitere Folgen mit einer Auswahl ihrer schönsten Blätter vorgestellt. Anhand von Werken großer Meister wie Albrecht Dürer oder Rembrandt verweist die Schau auf Klingers Vorbilder. Dass Klinger selbst als Inspiration für Künstler der Moderne diente, zeigen Arbeiten unter anderem von Edvard Munch, Käthe Kollwitz oder Max Ernst.

Klinger griff die im 19. Jahrhundert populäre Form der fortlaufenden Bilderzählung auf, gewann ihr jedoch völlig neue Seiten ab. Durch Variationen des Bildausschnittes und des Zeichenstils beeinflusst er die Bildwirkung. Für das Verständnis der Werke ist bei Klinger nicht immer der Kontext der kompletten Folge notwendig – viele der Sequenzen sind auch einzeln schlüssig. Sie thematisieren beispielsweise Darwins Evolutionstheorie, die Eigenheiten der Geschlechter oder auch die Allgegenwärtigkeit des Todes. In den Zyklen treffen Traumvisionen auf Sozialkritik, Humorvolles steht neben Tragischem. Klingers Begeisterung für Musik wird ebenso deutlich wie die harte Lebensrealität um 1900. Nicht zuletzt erzählen die druckgrafischen Folgen antike Tragödien auf humorvolle Weise neu.

Die Bilderfolge Ein Handschuh gehört zu den berühmtesten Arbeiten des Künstlers und ist 1881 erschienen. Sie entführt den Betrachter in eine bizarre Traumwelt voller Fabelwesen und Untiere. Zeitgenössische Kritiker warfen Klinger sogar einen Hang zum Abstrusen vor. Die Handlung der Bilderzählung dreht sich um Leidenschaft, Verlust und große Abenteuer.

Ein Leben von 1884 schildert den Lebensweg einer ‚gefallenen Frau‘ bis zum tragischen Ende in der Gosse. Erstmals setzte sich damit ein deutscher Künstler der Jahrhundertwende mit dem Thema Prostitution auseinander. Klinger verbindet in diesem Zyklus harsche Kritik an der Doppelmoral seiner Zeit mit philosophischen Fragen zur Schicksalhaftigkeit des menschlichen Seins. Mit Vom Tode, Erster Theil widmete der Künstler 1889 der Endlichkeit des Lebens einen eigenen Grafikzyklus, der das traditionelle Totentanz-Thema neu interpretiert.

Als Hauptleihgeber der Schau fungieren das Musée d’Art moderne et contemporain de Strasbourg sowie das Stadtmuseum Oldenburg. Des Weiteren versammelt Liebe, Traum und Tod. Max Klingers druckgrafische Folgen Leihgaben u. a. aus der Bayerischen Staatsbibliothek, dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt, der Hamburger Kunsthalle, dem Leopold-Hoesch-Museum & Papiermuseum Düren, der Staatsgalerie Stuttgart und dem Käthe Kollwitz Museum in Köln.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag (Feiertage): 11:00 - 18:00 Uhr
Donnerstag: 11:00 - 20:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: galerie-stihl-waiblingen.de

01.02. - 26.04.2020

Liebe, Traum und Tod. Max Klingers druckgrafische Folgen

Galerie Stihl Waiblingen

Weingärtner Vorstadt 16
71332 Waiblingen