Die Kommunale Galerie Berlin lädt zu einer außergewöhnlichen Ausstellung ein: „Eine Zukunft aus Silber und Beton“ untersucht Zukunftsvorstellungen anhand von Materialästhetiken und ruft die Besuchenden dazu auf, die Ausstellung aktiv mitzugestalten. Sie sind dazu eingeladen, die Arbeiten umzuhängen und auch, eigene Werke einzubringen. Auf diese Weise eröffnen sich neue Bedeutungszusammenhänge und inhaltliche Perspektiven, während kuratorische Praktiken experimentell aufgebrochen und hinterfragt werden.

Erwartungen und Wünsche an die Zukunft sind häufig in die Patina eingeschrieben: Silberne, glatte Oberflächen gehören spätestens seit Le Corbusiers „Wohnmaschine“ oder Fritz Langs dystopischem Werk „Metropolis“ fest ins Repertoire der Zukunftsbilder. Zukunftsimaginationen bergen aber immer auch Aussagen über die Gegenwart, in der sie gedacht werden. Die Ausstellung gibt kein Narrativ der Zukunft vor, sondern möchte erforschen, welche Zukunft sich die Besuchenden vorstellen.

Das Grundgerüst der Ausstellung stellt eine Kernauswahl an Werken dar, die der hauseigenen Artothek entliehen sind. Dabei handelt es sich vorwiegend um Druckgrafiken und Fotografien, die in einem offenen Zusammenhang zum Schwerpunkt stehen. Einige Arbeiten, etwa von Heinz Mack oder Wolf Vostell, spielen mit schimmernden Oberflächengestaltungen, während andere Elemente enthalten, die mit Zukunftsvorstellungen assoziiert werden: Katharina Sieverding stellt in ihrer Serie „Die Sonne um Mitternacht sehen“ heraus, welche Farben wir mit dem Universum und astronomischen Technologien verbinden, während Susanne Huth in ihren Fotografien Silicon Valley in den Fokus nimmt.

Diese Kernauswahl bildet den Ausgangspunkt des Projekts und setzt einen Anreiz für weitere Überlegungen: Wie stellen wir uns in einer Gegenwart die Zukunft vor, die von KI-Technologien und politischen Spannungen geprägt ist? Welche Farben, welche Materialien und Objekte bestimmen sie? Die Besuchenden verändern im Rahmen der Interventionen das Erscheinungsbild der Ausstellung in mehreren Phasen, womit anstelle eines autoritären kuratorischen Stils ein kollektives und dialogisches Prinzip tritt.

Die Ausstellung ist ein Projekt von Viviane Linek, wissenschaftliche Volontärin in der Kommunalen Galerie Berlin.