Gleich zwei Jahrgänge präsentiert die diesjährige Ausstellung GUTE AUSSICHTEN – JUNGE DEUTSCHE FOTOGRAFIE im PHOXXI, dem temporären Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg. Die 13 Preisträger*innen des renommierten Nachwuchspreises für Absolvent*innen des Studienbereichs Fotografie loten neue Horizonte des fotografischen Mediums aus. In ihren Arbeiten verhandeln die Künstler*innen Themen wie kulturelle Mehrheimischkeit, urbane Spannungsfelder, mentale Zustände sowie digitale und generative Bildwelten. Dabei zeigen die künstlerischen Strategien und Techniken das Medium Fotografie in seiner dynamischsten Form: Bilder bewegen sich im Raum, lösen sich von ihrem Träger und entwickeln sich live vor den Augen der Betrachtenden. In der großzügigen Ausstellungsarchitektur des PHOXXI finden auch zuvor nicht gezeigte installative und raumgreifende Arbeiten ihren Platz.
Die sieben Preisträger*innen des 20. Jahrgangs bewegen sich, wie gute aussichten-Gründerin Josefine Raab hervorhebt, »an Grenzen entlang und über diese hinweg«. Das gilt für psychologische Grenzen ebenso wie für geografische und politische: In Contrapasso überführt Massimiliano Corteselli inszenierte Porträts und Landschaftsaufnahmen in eine visuelle Erzählung über mystische Fiktion und Rachegelüste angesichts vorsätzlich gelegter Brände im Mittelmeerraum. Lea Greub sucht in der multimedialen Arbeit No Georgian Dream nach Visionen einer jungen georgischen Generation zwischen Aufbruch und einem konservativ-prorussischen Regierungskurs. Maya Vieth öffnet in Während wir schlafen, ziehen Wölfe um die Häuser einen multimedialen dokufiktionalen Raum mit ambivalenten Wolfsbegegnungen. Matthias Grund erkundet in der medienanalytischen Arbeit Other Images die sonst verborgenen Mechanismen der Bildgenerierung mittels KI, während Lia Meret Lehmkuhl durch die Schaffung der fiktionalen Figur Betty Blizz in Synthetic Embrace die Dynamiken parasozialer Beziehungen sichtbar macht. Denisa Poteca untersucht in ihrer fotografisch begleiteten Selbstisolation die Wechselwirkungen von Psyche, Körper und Umwelt. Béla Avi Beinhold verdichtet in Das letzte Zeichen seine persönliche Erfahrung des Auffindens des Körpers eines Verstorbenen in ein eindringliches Bild für die gesellschaftliche Verdrängung und Tabuisierung von Suchterkrankungen.
Die Werke des 21. Jahrgangs fügen sich zu einem mehrstimmigen Chor unterschiedlichster Perspektiven und Visionen. Die Künstler*innen setzen sich mit der eigenen Biografie, dem Einfluss digitaler Technologien auf das alltägliche Leben sowie dem Bruch von Traditionen auseinander: Clarita Maria folgt in Ichibukisho – Akt der Erinnerung Fragmenten vergessener Erzählungen aus Lusaka, Sambia, und präsentiert die entstandenen Videointerviews in einer vielschichtigen räumlichen Anordnung. Basierend auf biografischen Erfahrungen in Südafrika, Südkorea und Deutschland verbindet Kyu Sang Lee in der Installation Ostinato Interstice Rendering monochrome Fotografien und skulpturale Elemente zu einem surreal anmutenden Zeichensystem verschiedener kultureller Codes. NiKA setzt sich in der performativen Videoarbeit Digital_Dopamine kritisch mit digitalem Überkonsum auseinander. Robin C. Wolf dreht in Prompt: Me das Prinzip künstlicher Intelligenz um, indem er die Logik des digital Erwartbaren unterläuft. Mathilde Tijen Hansen erzählt in der fotografischen Langzeitstudie
Sonnenallee von Migration, Transformation und Gemeinschaft. Larissa Zauser analysiert in der multimedialen Arbeit Schützinnen das in Tiroler Schützenvereinen vorherrschende Frauenbild, um diesem eine subversive Schützinnenkompagnie entgegenzusetzen.
SUMMER SCHOOL ALS NEUES BILDUNGSFORMAT
Um die Preisträger*innen beider Jahrgänge gezielt zu fördern, bietet eine erstmalig in Kooperation mit der Körber-Stiftung stattfindende Summer School den Absolvent*innen in der Woche der Ausstellungseröffnung die Möglichkeit, in Exkursionen, Workshops und Austauschformaten die Strukturen und Herausforderungen der Museumslandschaft in Hamburg und darüber hinaus kennenzulernen. Neben exklusiven Einblicken in eine so große Kunstinstitution wie die Deichtorhallen erhalten die Teilnehmer*innen praxisnahen Input zur kuratorischen Arbeit von Nadine Isabelle Henrich, Kuratorin des Hauses der Photographie. Die Kunstkritikerin Dr. Belinda Grace Gardner vermittelt konkrete Strategien für das Sprechen über die eigene künstlerische Praxis. Im Austausch mit Künstler*in Roxana Rios lassen sich Fragen zu Leihverträgen, Förderungen und der eigenen Professionalisierung klären. Gemeinsam mit diesen und weiteren Mentor*innen und Expert*innen erarbeiten sich die Absolvent*innen praxisrelevante Tool-Kits und knüpfen nachhaltige Netzwerke. Am Samstag, den 6. September, stehen sie dann im Rahmen eines öffentlichen Events in der Ausstellung Besucher*innen für Fragen und Gespräche zur Verfügung.
Preisträger*innen 2023/2024: Béla Avi Beinhold, Massimiliano Corteselli, Lea Greub, Matthias Grund, Lia Lehmkuhl, Denisa Poteca, Maya Vieth
Preisträger*innen 2024/2025: Mathilde Tijen Hansen, Kyu Sang Lee, Clarita Maria, NiKA, Robin C. Wolf, Larissa Zauser
Eine Kooperation des Hauses der Photographie mit gute aussichten und der Körber-Stiftung.
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