Die Kunsthalle gehörte zu den ersten Museen, die expressionistische Kunst sammelten. Doch ab 1937 wurde ein großer Teil dieser frühen Sammlung von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und so erheblich dezimiert. Trotz dieser Verluste beherbergt das Museum bis heute bedeutende Meisterwerke des Expressionismus. Diese werden in den Mittelpunkt der Sonderausstellung gerückt und in Kontext mit nationalen wie internationalen Leihgaben einst beschlagnahmter Objekte gesetzt. Ergänzt um zahlreiche Arbeiten aus Mannheimer Privatsammlungen, beleuchtet die Schau so umfassend das für die Geschichte der Kunsthalle wichtige Kapitel Expressionismus.

Neue Einblicke und Vergleiche
Insgesamt zeigt die Ausstellung 50 Gemälde, 30 Skulpturen und 100 Grafiken. Ein wesentlicher Teil der gezeigten Werke aus Privatbesitz stammt aus der Sammlung Fuchs-Werle, aus der unter anderem Gemälde von Erich Heckel, Alexej von Jawlensky, Ernst Ludwig Kirchner, Oskar Kokoschka, Otto Mueller, Max Pechstein, Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff und Gabriele Münter zu sehen sein werden. Die private Sammlung ermöglicht in der Zusammenschau mit den Werken aus dem Bestand der Kunsthalle ganz besondere Einblicke sowie Vergleiche und setzt die Arbeiten der Künstler*innen in neue Beziehungen zueinander.

Expressionistische Skulptur und Grafik
Ein weiterer Schwerpunkt in der Ausstellung ist dem Maler und Bildhauer Wilhelm Lehmbruck und der Mannheimer Sammlung seines einstigen Mäzens Sally Falk gewidmet. Dieser überließ 1921 der Kunsthalle ein größeres Konvolut an Skulpturen als Schenkung. Mit solch wichtigen expressiven Arbeiten konnte man seinerzeit nirgends eine vergleichbar umfassende Vorstellung vom Schaffen des Künstlers gewinnen. Außerdem werden wichtige expressionistische Grafiken präsentiert, u.a. Werke von Walther Bötticher, Erich Heckel, Emil Nolde, Max Pechstein, Heinrich Campendonk und Maria Uhden mit denen die Fülle und Qualität der graphischen Sammlung der Kunsthalle in diesem Bereich aufgezeigt wird. Der neuen Bedeutung des Holzschnitts im Expressionismus wird dabei besondere Beachtung geschenkt. Kritische Auseinandersetzung Diese künstlerische Bewegung des frühen 20. Jahrhunderts fällt in eine Epoche, in der das Deutsche Kaiserreich, seit 1871 bestehend, ab 1900 zu einer bedeutenden Kolonialmacht aufstieg. In diesem historischen Kontext begannen viele expressionistische Künstler*innen, ihr Bildrepertoire zu erweitern. Besonders bei den grafischen Arbeiten der Ausstellung wird der Blick der Expressionist*innen auf das „Fremde“ und „Exotische“ sowie ihre Aneignung nicht-europäischer Kunst und Kultur kritisch bewertet. Auch erfolgt eine neue Einordnung der Haltung einzelner Künstler in der Zeit des Nationalsozialismus. Emil Nolde steht exemplarisch hierfür. Darüber hinaus wird die Rolle der Künstlerinnen im Expressionismus thematisiert, war doch in jenen Jahren nur wenigen Frauen der Kunstmarkt und das Ausstellungswesen zugänglich.

Mit „Kirchner, Lehmbruck, Nolde. Geschichten des Expressionismus in Mannheim“ lenkt die Kunsthalle erneut die Aufmerksamkeit auf einen bedeutenden Abschnitt ihrer Sammlungs- und Museumsgeschichte. Nach der erfolgreichen Jubiläumsschau zur Neuen Sachlichkeit im vergangenen Jahr rückt nun der Expressionismus in den Mittelpunkt.

Kooperationen und Rahmenprogramm
Begleitet wird die Schau von einem umfangreichen Programm, in dem die Geschichten des Expressionismus in Mannheim beleuchtet werden. Das Nationaltheater Mannheim, Cinema Quadrat, das Felina Theater sowie die Jüdische Gemeinde Mannheim bieten im Rahmen der Ausstellung ebenfalls Veranstaltungen an, die sich mit dem Expressionismus in Mannheim auseinandersetzen. Das vollständige Begleitprogramm von „Kirchner, Lehmbruck, Nolde. Geschichten des Expressionismus unter:

Wilhelm Lehmbruck, Bildnisbüste Sally Falk, 1916, Kunsthalle Mannheim, Foto: Kunsthalle Mannheim / Cem Yücetas
26.09.2025 - 11.01.2026

Kirchner, Lehmbruck, Nolde. Geschichten des Expressionismus in Mannheim

Kunsthalle Mannheim

Friedrichsplatz 4
68165 Mannheim