Der Maler Rudi Kargus (*1952) ist im gegenwärtigen Kunstschaffen eine bislang viel zu wenig beachtete Person. Auf großen Leinwänden treffen bei ihm abstrakte Landschaften und figurative Bildelemente aufeinander. In farbstarken Kompositionen setzt er sich malerisch mit der eigenen Biografie auseinander und inszeniert das Verhältnis von Individuum und Außenwelt.

Der gestaltende Prozess steht im Mittelpunkt seines bildnerischen Schaffens: mit Pinsel und Ölfarbe entstehen fließende Formen, kräftige Linien, lebendige Flächen. Durch die zumeist großen Formate begegnen die Darstellungen den Betrachtenden quasi auf Augenhöhe. Gleichzeitig ist Distanz vonnöten – nur mit Abstand ist das Ganze zu erkennen. Vom Künstler fordern die großen Leinwände körperlichen Einsatz. Kargus‘ oftmals gestische, ausholende Art zu malen kann als ein Bezugspunkt zum vorangegangenen Beruf verstanden werden: Im „ersten Leben“, wie er es nennt, war er als Fußball-Torwart erfolgreich. Es ist ein bemerkenswerter Werdegang vom Mitglied in einer Mannschaft zum Künstler, der tagaus, tagein allein im Atelier arbeitet.

Überhaupt ist sein Werk inhaltlich stark autobiografisch geprägt. Er adaptiert für die Leinwand Elemente aus eigenen Kinderzeichnungen und privaten Fotografien oder zitiert Details aus Zeitungsabbildungen. Diese Bildfragmente fügt er erst zu Collagen zusammen und überträgt die Kompositionen anschließend auf die Leinwand, um sie dort malerisch auszubauen. Dabei arbeitet Kargus oft in Gemäldeserien und Variationen und kann so ein Thema in seiner Tiefe ausloten. Das Motiv der menschlichen Physis ist darunter von herausragender Bedeutung: Auf den meisten der im Kunsthaus ausgestellten Arbeiten ist mindestens eine Figur auszumachen, oftmals maskiert oder mit Bandagen bedeckt. Vielleicht liegen Verletzungen darunter oder Entstelltes wird verborgen. Auf einigen Bildern hängen Körper an Fäden, als ob mit ihnen von unsichtbarer Hand ein Stück aufgeführt würde. Selten wirken Kargus‘ Figuren schwermütig oder morbide, oft hingegen widerständig, manchmal kämpferisch.

In diesem Sommer wird Kargus 70 Jahre alt. Der Titel der Ausstellung „Ich ist ein anderer“ ist eine Einladung, den ehemaligen Fußballstar neu zu betrachten und sein künstlerisches Werk zu entdecken – den „anderen“ Kargus kennenzulernen. Es ist nicht seine erste Schau, viele Galerie-Präsentationen hat es bereits gegeben, aber es ist die bislang erste Einzelausstellung in einem Museum. Rudi Kargus‘ Gemälde sind voller Dynamik und ziehen mit intensiven Farben in ihren Bann. Sein Werk ist zugleich ein visuelles Vergnügen und eine Aufforderung zur Reflexion – an sich selbst und an die Betrachtenden.