Nan Goldins (* 1953 in Washington, D.C.) Werk zeichnet sich durch eine einzigartige und eindringliche Darstellung von Intimität, Liebe und gesellschaftlichen Randgruppen aus. Ihre Fotografien sind nicht nur Dokumentationen von Momenten, sondern auch tief emotionale Erzählungen, die das menschliche Dasein in all seinen Facetten einfangen. 

Eine besondere Beziehung bestand zu dem Sammler und Fotografen F.C. Gundlach. Er überzeugte Nan Goldin nach eigenen Angaben davon großformatige Abzüge ihrer Diapositive zu produzieren. Die in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren entstandenen Arbeiten realisierte der Sammler in direkter Zusammenarbeit mit der Künstlerin in seiner Firma PPS in Hamburg im Cibachromeverfahren. Die von Sabine Schnakenberg kuratierte Ausstellung zeigt nicht nur deutlich die pragmatische Förderung der Künstlerin durch den Sammler mittels der Produktion der Prints, sondern auch eine Erweiterung ihrer Präsentationsform u.a. für museale und ausstellende Institutionen, aber auch den Kunstmarkt. 

Parallel und in inhaltlicher Korrespondenz zur Ausstellung von Franz Gertsch in den Hamburger Deichtorhallen können über 100 Arbeiten von Nan Goldin aus dem Bestand der Sammlung F.C. Gundlach gezeigt werden. 

Nan Goldins Herangehensweise an die Fotografie ist geprägt von Nähe und Vertrautheit. Goldin taucht in die Welten ihrer Freunde und Liebhaber ein und dokumentiert deren Leben mit einer Authentizität, die oft roh und ungeschminkt ist. Goldins Arbeiten zeichnen sich so durch eine ungeschönte und dennoch empathische Darstellung von Liebe, Schmerz, Verletzlichkeit und Ekstase aus. Ihre Serien sind visuelle Chroniken ihres sozialen Umfelds, geprägt von persönlichen Beziehungen und von den Höhen und Tiefen des Lebens. Dabei spielt sie mit Licht und Farben, um emotionale Atmosphären zu schaffen, die über das Visuelle hinausgehen und tief in die Psyche der Porträtierten eindringen. 

Ihr Werk hat nicht nur die Kunstwelt beeinflusst, sondern auch einen nachhaltigen Einfluss auf die Wahrnehmung von Themen wie Sexualität, Beziehungen und Identität gehabt. Neben ihrer persönlichen Ausdruckskraft setzt sich Nan Goldin auch für soziale und politische Anliegen ein. Ihr mutiger Umgang mit Themen wie Drogenabhängigkeit und HIV hat die Fotografie als Mittel der gesellschaftlichen Reflexion und Veränderung etabliert. Seit 2018 engagiert sie sich als ehemals vom Schmerzmittel Oxycontin-Abhängige als Aktivistin gegen die Pharmaunternehmerfamilie Sackler und die Treiber der Opioidkrise in den USA. 

Die aktuelle Bedeutung dieser außerordentlichen Fotografin macht auch die fast zeitgleich stattfindende Ausstellung von Nan Goldin in der Neuen Nationalgalerie Berlin deutlich, die im Rahmen einer europäischen Ausstellungstournee auf die Wurzeln von Goldins künstlerischer Praxis zurückgeht. Im Dezember 2023 belegte sie Platz 1 der „Power 100“, der Liste der wichtigsten Künstler*innen der New Yorker Art Review.

12.12.2024 - 04.05.2025

Nan Goldin. Werke aus der Sammlung F.C. Gundlach

Deichtorhallen

Deichtorstrasse 1-2
20095 Hamburg