Die Ausstellung Spektren beschäftigt sich mit dem Thema der Farbe als programmatisches Mittel und versammelt kunst- und kulturgeschichtliche Exponate aus über 100 Jahren. Präsenz und Funktion von Farbe haben sich in dieser Zeitspanne grundlegend geändert. Die Farbe selbst hat sich seit der Moderne als gestalterisches und künstlerisches Mittel verselbständigt. Infolgedessen hat sich auch der Einsatz von Farbe als Material radikal gewandelt. Mit der rasanten Entwicklung digitaler Technologien in jüngerer Zeit beeinflussten immer intensivere Farberlebnisse die allgemeine Wahrnehmung, einschließlich unseres Verständnisses der Rolle von Kunst.

Zentrales Thema von Spektren ist die künstlerische Beschäftigung mit der affektiven und repräsentativen Kraft von Farbe. Historisch setzt sie bei den frühesten Farbfilmen und Farbfotografien an. Exemplarisch wird Annabelle Serpentine Dance (1895) gezeigt, der früheste handkolorierte Film, der eine betörende Tanzszene darstellt. Künstler*innen der klassischen Moderne setzten Farbe in der Architektur als autonomes Gestaltungsmittel ein. In dieser Zeit sind von Avantgardist*innen wie Theo van Doesburg und Sophie Täuber-Arp bahnbrechende Farbräume umgesetzt worden. Von letzterer wird die Foyer-Bar in der Ausstellung in einer partiellen Rekonstruktion revitalisiert. Insbesondere in der Malerei hat sich Anfang des 20. Jahrhunderts die Autarkie von Farbe vollzogen. Als Beispiel ist Wassily Kandinsky zu nennen, der sich durch das Farbhören zum Klangsehen entwickelt hat. Als historischer Meilenstein kommt Josef Albers hinzu.

Die Ausstellung präsentiert auch künstlerisches Schaffen, wie jenes von KP Brehmer oder Thu Van Tran, das Farbe verwendet, um Machtverhältnisse und Wirtschaftsinteressen hervorzuheben, zu hinterfragen und aufzudecken. Gezeigt werden soll zudem, wie Farbe von Künstler*innen wie Carsten Fock, Pamela Rosenkranz oder Sophie Calle genutzt wird, um Sprache und Poesie zu verstärken, deren Abwesenheit zu unterstreichen oder neue Formen der Spiritualität zu schaffen. Neue, in Auftrag gegebene Installationen (Hans Op de Beeck, Vorplatz) und immersive Räume (La Monte Young, Südgalerie) werden das Projekt bereichern.

Die Ausstellung Spektren kann über eine spezifisch für die große Halle produzierte Architektur erlebt werden, die der Künstler und Ko-Kurator Liam Gillick entwickelt hat. Sie ist die erste Ausstellung, die vom gesamten Team der Kuratorinnen entwickelt wurde und dadurch viele unterschiedliche spezifische Forschungsschwerpunkte aufweist.