Der Kunstpalast widmet Heinz Mack (*1931) zu seinem 90. Geburtstag eine Ausstellung, die vorwiegend sein Frühwerk aus den 1950er bis 1970er Jahren präsentiert. Die Schau des in Mönchengladbach und auf Ibiza lebenden und arbeitenden Künstlers zeigt die innovativen Neuerungen und verdeutlicht den revolutionären Geist des Bildhauers und Malers. Mack, der in seinem künstlerischen Schaffen experimentelle Denk- und Arbeitsräume erschloss und mit immateriellen Werkstoffen wie Licht, Raum, Zeit und Bewegung arbeitet, übt bis heute großen Einfluss auf viele Künstler*innen aus.

Die Werkauswahl von etwa 100 teils raumgreifenden Arbeiten fokussiert zentrale Stationen seines Werdegangs, wie das Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie, die ZERO-Zeit, Aufenthalte in Afrika und den USA bis hin zu seinen lichtkünstlerischen Environments und seinen Großprojekten in freier Natur. Neben Gemälden, Skulpturen und lichtkinetischen Installationen präsentiert die Ausstellung Fotografien, Bühnenbilder und Architekturvorhaben sowie Werke und Dokumentationen seiner Land-Art-Projekte und einen Film.

Mit bedeutenden Werkbeispielen berühmter wie auch selten gezeigter Arbeiten – institutionellen und privaten Leihgaben aus Belgien, Großbritannien, Liechtenstein und Deutschland sowie aus dem Besitz des Künstlers – verweist die Schau auf die gesamte Bandbreite des skulpturalen und medialen Kunstschaffens von Heinz Mack. Das Publikum trifft auf frühe fotografische Landschaftsaufnahmen aus seiner hessischen Heimat, auf Modelle der von ihm entworfenen Wassermauer im senegalesischen Diourbel, reflektierende Stelen aus der New Yorker Zeit sowie seine ursprünglich in der nordafrikanischen Sahara und im grönländischen Eismeer installierten experimentellen Spiegelplantagen und Lichtobjekte.

„Heinz Mack war zu Beginn der 1960er Jahre ein bedeutender Wegbereiter für ein neues Kunstverständnis“, betont Felix Krämer, Generaldirektor Kunstpalast. „In Düsseldorf gründete er mit Otto Piene 1958 ZERO, eine künstlerische Bewegung mit internationalem Widerhall. Aus der Sammlung des Kunstpalastes wie auch von den öffentlichen Plätzen der Stadt ist seine Kunst nicht wegzudenken.“, so Krämer weiter.

Fern von den Konventionen der Akademie und des Kunstgeschehens in Museen und Galerien experimentierte Mack bereits früh mit unterschiedlichen, teils kunstfremden Werkstoffen wie Aluminiumfolien sowie mit Linear- und Rasterstrukturen. Im Zentrum seiner Formexperimente steht das reine Licht, das von wesentlicher Bedeutung für die Schaffung seiner Skulpturen ist. Macks forschendes Kunstschaffen bildete die Grundlage für die Realisierung seiner Vision: den Landschaftsraum mit künstlerischen Interventionen zu erobern und einen Jardin artificiel – einen künstlichen Garten aus reinem Licht – zu schaffen. In dem Sahara-Projekt entwarf Mack 1959 die Idee eines temporären künstlichen Gartens, bestehend aus rhythmisch strukturierten Stelen, spiegelnden Flächen und Sandreliefs in der Wüste. Von diesem Projekt ausgehend unternahm er in den folgenden Jahren künstlerische Expeditionen zum Beispiel nach Tunesien, Marokko und Algerien. Im Östlichen Großen Erg, dem größten Sandmeer der Sahara, erlangte er ebenso wie in der grenzenlosen Eislandschaft der Arktis mit vor Ort entstandenen experimentellen Licht-Installationen internationale Aufmerksamkeit.

„In seinen kinetischen Werken und Environments konzipierte Heinz Mack nicht nur neue Ausdrucksformen im Raum. Sein außergewöhnliches Oeuvre zeigt ihn als einen Vordenker, der durch experimentelle künstlerische Verfahren neue Erfahrungsräume schafft. Seine interdisziplinäre und forschende Herangehensweise hat wesentlich zur Erweiterung des Kunstbegriffs in den 1950er und 1960er Jahren beigetragen“, erläutert die Kuratorin Heike van den Valentyn. „Land-Art oder Environment sind zentrale Bestandteile seines Œuvres, auch wenn es die Begrifflichkeiten für diese Art Kunst damals noch nicht gab.“ Van den Valentyn betont weiter: „Macks Forschergeist förderte Pionierleistungen zutage, die bis heute in die aktuelle Kunst hineinwirken. Ich denke dabei unter anderem an Arbeiten von Jorinde Voigt, Kitty Kraus, Alicja Kwade oder Olafur Eliasson, aber auch an die Desert X Biennale in der südkalifornischen Wüste.“