100 Jahre Groß-Berlin. Das ist ein Grund über diese Stadt und ihre Geschichte anders nachzudenken und Bilder zu finden, in denen sich die Atmosphären dieses besonderen, charismatischen Ortes widerspiegelt. Wer Berlin heute erlebt, trifft auf Spannungsfelder jenseits von Klischees.

Mit den Arbeiten von Stefanie Bürkle, Göran Gnaudschun, Ute Mahler, Florian Merkel, Arwed Messmer, Andreas Mühe, Loredana Nemes, Michael Schmidt, Anne Schönharting, Michael Wesely, Ulrich Wüst stellen die Kuratoren Gabriele Muschter und Uwe Warnke elf künstlerisch-fotografische Positionen vor, die sich mit der Lebensrealität, Vielschichtigkeit und Komplexität von Prozessen und Entwicklungen in der Großstadt Berlin auseinandersetzen.

Berlin ist Weltstadt – unkompliziert offen, kosmopolitisch und mitten in Europa. Hier leben Menschen der verschiedensten Nationen und Kulturkreise harmonisch wie dissonant miteinander. Die Vereinbarkeit zu suchen und das Trennende zu erfassen, war – schon immer – auf unterschiedliche Weise evident und bleibt stetige Herausforderung.

Das zeigen auch die Bilder dieser Ausstellung, welche im Zeitraum von 1989/90 bis 2017 entstanden sind und das Lebensgefühl wie den Zeitgeist, den ganz speziell die Stadt Berlin verkörpert, wesentlich darstellen. Die Ausstellung unternimmt den Versuch, die Modernität der Stadt Berlin im Spektrum von Entwick- lung und Stillstand, mit einem besonderen Blick auf die Diversität der Lebens- konzepte in herausragenden fotografischen Arbeiten vorzustellen.

Fotokünstler wie Arwed Messmer und Andreas Mühe haben als zentrales Thema ihrer Arbeit den Blick auf deutsche Geschichte. Und auch Ulrich Wüst ist im ausgestellten Leporello OSTWESTMITTE der Geschichte zwischen Hoch- und Alltagskultur pendelnd nahe.
Michael Schmidt gehört international zu den bedeutendsten Fotografen seiner Zeit. Seine kritische Liebe zu Berlin findet sich in fast allen seinen Bildern.
Ute Mahlers subjektive Sicht auf die Wirklichkeit spiegelt sich in der 1995 entstandenen Serie Sommer in Berlin wider, die eine Entdeckung ist.
Die Fotografien von Modellen oder Musterfassaden, die Stefanie Bürkle zeigt, lassen die Stadt als Kulisse erscheinen.
Ein verfremdetes urbanes Bild entwirft Michael Wesely mittels seiner besonderen Ausdrucksform, der extremen Langzeitbelichtung. Der Gang der Zeit wird hier visuell erlebbar, er erscheint als Schichtung.
Göran Gnaudschun interessiert sich für Menschen in ihren Lebenssituationen, hier die Punks am Berliner Alexanderplatz. Anne Schönharting macht in ihren Fotografien der Charlottenburger (groß-)bürgerlichen Szene die Distinktionsmechanismen und Codes sichtbar, mit denen die Dargestellten ihre Zugehörigkeit zu ihrem sozialen Milieu definieren. Auf nächtlichen Streifzügen hat Loredana Nemes nachbarschaftliche Männerwelten vor türkischen, orientalischen oder arabischen Lokalen in Kreuzberg, Neukölln und Wedding fotografiert und zeigt als Ergebnis dieses Dialogs Bilder, die uns kulturelle und visuelle Grenzen aufzeigen.
Den Kontrapunkt in dieser Ausstellung setzt Florian Merkel als künstlerisch- technisches Multitalent mit einer Umsetzung von Fotografie in Malerei.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Lukas-Verlag, Berlin, mit einem Vorwort von Dr. Enno Kaufhold.